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Globale Gerechtigkeit – nur nicht für die Industriestaaten

18. Dezember 2009

Als ich neulich beim Fernsehschauen bei „Phoenix“ hängen blieb, sprach gerade Claudia Roth von „globaler Gerechtigkeit“. Und dass Schwarz-Gelb mit ihrer Politik dieser nicht gerecht würde. Meiner Meinung nach sind die deutschen Regierungen bisher immer gleich bleibend diesem Thema ergeben geblieben.

Gut nur, dass „Berufspolitikerin“ Roth mich zum Sinnieren über dieses Thema gebracht hat. Schade nur, dass nicht endlich eine öffentliche Diskussion in Deutschland über „globale Gerechtigkeit“ geführt wird. Zuallererst ist es nur ein schwammiger Begriff, der entsprechend unserer globalisierten Lebenswirklichkeit Gerechtigkeit für alle Gesellschaften zu fordern scheint.

Dahinter steckt aber das politische Ansinnen, künstlich einen Ausgleich zwischen den vermeintlich vom Schicksal bevorzugten Gesellschaften und den angeblich vom Schicksal stiefmütterlich behandelten Regionen der Welt herzustellen. Und so wird ein kontinuierliches Geben der „Bessergestellten“ angestrengt. Seit Jahren erlassen die europäischen Staaten den afrikanischen Ländern Schulden in Milliardenhöhe, und eine nennenswerte Verbesserung der Verhältnisse steht nicht in Aussicht. Diktatoren wie gewählte Regierungen sind auf der Suche nach „staatlicher“ Souveränität, gleichwohl streichen sie vor allem souverän Entwicklungshilfe ein.

Und solche Entwicklungshilfe ist sicher nicht einzige Bereicherungsquelle, für die wenigen in Afrika, die schon viel haben. In völliger Selbstlosigkeit spenden die Deutschen für Brunnen, Schulen, Spielzeug, Brot, medizinische Versorgung, Waffen für die Guerilla, goldene Wasserhähne für den General etc.

Es ist klar, dass die Entwicklungshilfe ihren Zweck weit verfehlt. Das wird aber gerne unter dem Deckel gehalten, von der Spendenfreude können Medien mehr profitieren. Umso bewundernswerter, wenn vereinzelt das Thema in der Presse aufgegriffen wird und kritische Stimmen zu Wort kommen.

Thilo Bode, der frühere Greenpeace-Chef von Deutschland und langjährige Entwicklungshelfer, hält […] nichts von staatlichen Zuwendungen. Entwicklungshilfe sei ein Betrugssektor. „Wenn sie [Entwicklungshilfe] nicht geschadet hat, kann man froh sein. Jede Art der Entwicklungshilfe ist unsinnig. Das Beste wäre, sie gleich einzustellen.“

Die Motivation ist bei Entwicklungshilfe wie privater Spende gleich: moderner Ablasshandel. Konflikte und Nöte des afrikanischen Kontinents werden kaum in Angriff genommen, aber das Gewissen ist so herrlich erleichtert.

Darüber entlarven sich die „Progressiven“ als die eigentlichen Ewiggestrigen, wenn sie als Grund für die Afrika-Manie eine Verpflichtung ehemaliger „Kolonialherren“ anführen. Nach diesem Denkkonstrukt, das die afrikanischen Völker chauvinistisch in die Opferrolle der Kolonialzeit steckt, werden alle Misslichkeiten auf die koloniale Ausbeutung zurückgeführt, positive Entwicklungen werden der ausländischen Hilfe, aber nicht der Eigeninitiative der hiesigen Bevölkerungen zugeschrieben.

Das schlechte Gewissen der Spenden- und Entwicklungshelfer äußert sich auch im ständigen Wiederholen vom Wohlstand der europäischen Gesellschaften. „Uns geht es doch so gut! Warum sollen wir nicht etwas von unserem Wohlstand abgeben?“

Über Probleme im eigenen Sozialsystem, steigende Armut, soziale Divergenzen und mangelhafte Bildungspolitik wird kaum nachgedacht. Eine Dokumentation über Kinderarmut in Deutschland ruft kurzes Bedauern hervor, aber die großen Rehaugen ausgemergelter afrikanischer Kinder bleiben immer im Gedächtnis und lassen den Geldbeutel zücken. So ist das Helfer-Syndrom in der Folge befriedigter. Unterstützt wird diese Fremdbezogenheit durch Medien, die jede Besorgnis um innerstaatliche Probleme in letzter Konsequenz als nationalistisch verbrämen und die Sorge um Probleme im Ausland als wahre Nächstenliebe anpreisen. In der Folge wird Leid gegen Leid aufgerechnet, und somit gerade jedem leidenden Menschen auf der Welt Unrecht getan.

Vor einiger Zeit konnte man einen kurzen Bericht über „Mauern“ auf dem Fernsehsender „Arte“ verfolgen. Gemeint waren Schutzvorrichtungen, wie sie die Vereinigten Staaten von Amerika zur Verringerung der illegalen Einwanderung von Süden aus oder der israelische Staat in Form der Sperranlagen (welcher in der Tat einen drastischen Rückgang der Selbstmordattentate bewirkte). Als Tüpfelchen auf dem „I“ wurde noch die Analogie zur DDR-Mauer gezogen, die eine Diktatur gebaut hatte, um die Bevölkerung einzusperren.

Kernimplikation ist also, dass diese „Mauern“ dem Glück der Erdenkinder im Wege stünden.

Ist die Globalisierung sonst apokalyptischer Reiter des Kapitalismus, wird er nun begrüßt, wenn es darum geht, die Völker zusammenzuführen bzw. massenhafte Einwanderung zu ermöglichen oder auch dem Selbstmordattentäter ein erfülltes, wenn auch kurzes Leben zu ermöglichen. Und das ist dann auch eine Form der globalen Gerechtigkeit.

Und wer sich erstmal mit der globalen Gerechtigkeit arrangiert hat, der hat es sich auch in der Opferrolle bequem gemacht.

Denn: Ein lukratives Geschäft mit der Klimahysterie lockt, auch hier können Schuldgefühle hervorgerufen werden. Mit einer Stimme erheben sich die afrikanischen Staaten und fordern eine Entschädigung von den Industriestaaten, den Klimasündern.

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