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Demjanjuk vs. Michalski – Viele Tote bringen Quote

1. Dezember 2009

John (Iwan) Demjanjuk, notorischer, ukrainischer Massenmörder, KZ-Scherge – Peter Paul Michalski, Mörder und erfindungsreicher Fahrradfahrer. Was haben beide gemein? Nein, nicht etwa die Tatsache, dass beide die Namen von Heiligen tragen, sondern ihren ausgeprägten Hang zur Theatralik! Da muss man sich auch schon etwas einfallen lassen – in den Zeiten von Internet und einem regelrechten Unterhaltungsbombardement! Täglich kämpfen Heidi Klum gegen Dieter Bohlen und Thomas Gottschalk – es wird stolziert und es wird geträllert – alle sind dabei. Immer imposanter werden die Show-Sets, immer hochkarätiger die eingeladenen Star-Gäste aus Übersee. Gute Ideen sind von Nöten um den, angesichts einer gewaltigen Entertainment-Flut, übersättigten Zuschauer noch bei der Stange zu halten.

Auch die Medien dürfen sich hierbei keine Blöße geben und handeln nach der Draufhalt-Methode. Demjanjuk und Michalski sind dabei eben auch nur „Opfer“ ihrer „Pflicht“! Während der Ostler mit einer Schmierentheaterbietung a la „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ aufwartet, versucht sich Michalski (mit dem ebenfalls aus dem Osten stammenden Nachnamen) als aufgewecktes Fluchttalent mit Hollywood-Potenzial. Beide liegen eigentlich ganz gut im Rennen, am Ende kann es aber nur einen Sieger geben! Die Medien überschlagen sich mit immer neueren Enthüllungen, irrwitzigeren Details und erwecken den Eindruck als folgten sie den beiden Schlächtern, anfeuernd, antreibend und Regieanweisungen gebend auf deren „kleinen“ Tournee.

Man hat es ja schließlich auch nicht leicht – wenn man der Beste werden will. Und die Jury ist dabei auch nicht zu beneiden, denn beide Kandidaten sind wirklich gut und geben merklich ihr Bestes. Beweisen vollsten Körpereinsatz! Aber was tun, wenn der durchgeknallte Massenmörder einfach nicht immer so will, wie er es sollte oder die Opferzahl doch nicht so eindrucksvoll war?

Zum Glück haben wir hierbei aber zwei echt Prachtkandidaten! Der gute Demjanjuk beispielsweise, habe als Aufseher in Vernichtungslagern an der Ermordung von wohl „mindestens 29.000 Menschen“ mitgewirkt. Das muss man ja auch erst einmal schaffen! Das ist hier nicht mal, so mir nichts dir nichts, einfach mal ein paar Leute umgemurkst – So am Wochenende mal nebenbei! Nein, nein, da arbeiten manche ja ein ganzes Leben daran und schaffen es dennoch nicht.

Dabei wusste unser lieber Demjanjuk auch ganz genau, dass mit seinem solchen, eher exotisch klingenden Vornamen (Iwan) keine Weltkarriere zu bewerkstelligen wäre. Da musste, mal schnell, ein Künstlername her und zwar ein englischer noch dazu. Richtig so! Man investiert ja schließlich in den Weltruhm. – Da hat aber wohl jemand den findigen Berater geheim gehalten. Aber was tut man nicht alles für etwas „Fame“!

Michalski ist aber auch nicht ohne! Vielleicht kann er bei der Masse nicht mithalten. Seine Opferzahlen steigen ja nicht ins Tausendfache, klar, aber der KZler hatte eben auch den Weltkriegs-Bonus – da müssen auch Punkte abgezogen werden. Schließlich muss es ja fair zugehen!

Aber wo der Ukrainski mit der Menge protzt, beweist Michalski echten Erfindungsgeist! Mit James Bond ähnlichem Ideenreichtum wurden Schlüssel kopiert und das altbewährte Ducken-Gucken-Ducken-Laufen-Verstecken-Rennen-Freiheit!-Spiel gespielt. Auch wurden „Soft-Skills“ eingesetzt und Justizmitarbeiter „erpresst oder bestochen“. Bei der Flucht, da sprang Michalski, mit Begleitung auch schon einmal in ein stehendes Taxi. Alles was man sich nur wünschen kann!

Eine Darbietung, die ihresgleichen sucht! Die wäre nicht jedem so vortrefflich gelungen. Nur bei der Fahrradgeschichte hätte man sich wirklich etwas Besseres einfallen lassen müssen! Fahrradfahren? Das ist hier nicht die Tour de France! Obwohl der Gute ja Schmerztabletten benötigt. Ich wittere eine „Rehab-Story“! Oder lieber Fitnesswahn? Aber ehrlich, für einen Fluchtwagen hätten die ihm folgenden Journalisten und Kameraleute schon zusammenlegen können. Es hätte dadurch bestimmt spannender werden können! Vielleicht noch mehr Opfer! Pfui! Schämt euch! Und mit dem Komplizen wurde ja ein wenig geschummelt. Was soll’s…

Die gerade stattfindende mediale „Verwertung“ dieser Verbrecher wirkt wie eine geschmacklose Boulevardhetzerei, von einer Sensation zur anderen. Solche ernsthaften Themen fordern einen pietätvolleren Umgang als jenen, den wir gerade mit anzusehen haben.

Doch die wartenden und vor Geilheit lechzenden Zuschauer werden gefüttert mit immer mehr und mehr und… Die Medien ergötzen sich am Unglück andere, um sich schließlich an der Masse an Einzelheiten zu laben. – Vielleicht kommt noch Videomaterial. Dann kann man die blutenden und winselnden Opfer zu Boden zeigen. – Das Geschäft heißt: Sensationen. Dazu sind die Nachrichten verkommen. Und wo der Ottonormalverbraucher Perfide am Betrug und Verbrecher-Kartellen schnell wittert, wird hierbei das Niederträchtige nicht bemerkt.

Immer mehr scheinen die Medien zu fordern. Um ihre Kundschaft zu befriedigen. Vielleicht sollte die Presse in Zukunft als Auftraggeber fungieren und sich die Mörder der Zukunft von dieser bezahlen lassen. – Abgerechnet wird nach der Anzahl der Toten und Verletzten. Zudem nach der Dauer der Verfolgung und natürlich nach dem Interesse des Zuschauers. Denn um dessen Aufmerksamkeit geht es! Am Besten wäre dem abstumpfenden Fernseh-Gucker die fahrende Couch – Beim Mordvorgang live dabei! – Chips fressend!

Da knien sie jetzt schon, in den Redaktionen und wünschen sich das neueste Sterben herbei – irgendwo in der Nähe, dass man die Tat noch frisch befilmen kann. Die Beiden hier genannten sind ja leider schon geschnappt – Die können keinen mehr massakrieren…

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2 Kommentare leave one →
  1. Mecki permalink
    5. Dezember 2009 16:22

    Ersten Kommentar bitte löschen. Ich wollte sagen: Diese Geilheit der Medien ist ja schon öfters auch im Film thematisiert worden. In diesem Film, wo Dieter Thomas Heck den Moderator spielt, und ein Mann tot oder lebendig gefangen werden soll. Da wird das ja auf die Spitze getrieben.

  2. HerrSocke permalink
    8. Dezember 2009 04:40

    ob herr demjanjuk so schlimm war, weiss ich -glücklicherweise(?)- nicht, aber seine direkten „vorgesetzten wurden mehrheitlich freigesprochen und er muss im moment als „hiwi“(nun weiss ich endlich, dass dies keine wirklich „freundliche“ Bezeichnung für einen Hilfsarbeiter ist) vor Gericht stehen/liegen….
    gut dieser link dazu:
    http://www.internet-law.de/2009/07/der-fall-demjanjuk.html

    anderweitig lässt sich herausfinden, dass demjanjuk juden gehasst(eventuell) haben soll…sollte aber hier nix zur sache tun…und die internationalen gerichte, vor allem die deutschen, sollten sich endlich mal mehr mit der strafverfolgung AKTUELLER nazis befassen, anstatt mit greisen, die so oder so bald das zeitliche segnen werden

    was soll das? falls D. verurteilt wird….bekommt der nun lebenslang????? wegen was? mehrfachen mord…?
    ich könnte auf die strasse gehen, einen ausländisch aussehenden passanten umbringen und dann behaupten, der hat mich dumm angeschaut…vermute, dass ich irgendne strafe im totschlag-bereich bekäme…vielleich hätt ich nen tollen anwalt, der notwehr daraus macht….

    naja…so kann man aus nem „schergen“(ich will seine „taten“ nicht verharmlosen, aber möchte nicht darauf schwören, ob ich in seiner situation nicht ähnlich „gehandelt“ hätte…ausgehend vom oben genannten link) einen täter erster klasse machen….

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