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Umweltbedrohung durch Tiefgründigkeits-Nachdenk-Songs

17. November 2009

In Kopenhagen trifft sich die Welt um vom 7. bis zum 18. Dezember über die Erderwärmung zu schwadronieren. Aber die wahre Gefahr unserer Tage wurde übersehen – Xavier Naidoo hat sein neues Album herausgebracht und wir sind gezwungen dieser Ungehörigkeit tatenlos zuzusehen! denn die Weltgemeinschaft ist nicht gewillt auch das Geringste zu tun um uns vor diesem Unheil zu schützen. Wir sind verloren!

Xavier ist zurück! Und noch dazu bewaffnet mit waschechten Ansichten. – Was? Ja! Echt? Aber hallo! – Genau, sie haben richtig gehört! Nicht nur, dass er eine ganze Unzahl von Liedern zusammengeschrieben hat! Nein! Unser Xavier hat sich informiert – und das diesmal sogar politisch!

Zwar hat er bereits zuvor versucht „Inhalte“ in seine durch eine schamlose inhaltliche Überladung zumeist wiederum inhaltslos wirkenden Lieder zu verweben – was ihm natürlich misslang. Dieses Mal ist er aber noch viel offensiver.

Ja, Xavier, wir lieben dich dafür, dass du deine fundierten Kenntnisse der Politik von Jahrzehnte alten Straßenplakaten, „Kellogg’s“-Packungen und Viva beziehst und wir verehren dich noch fast vielmehr für deine komplett durchgeknallten Schlussfolgerungen, die du aus diesem Halbwissenskonglomerat schöpfst.

Stupides Geschwafel über die „Fehler“ der Weltpolitik, Gefasel über die misslichen Zustände in Drittweltländer und dem angeblichen Unrecht in Deutschland – schlimmste Beispiele von akutem Unwissen.

Es sind Ansichten wie z.B., dass beim 11. September die CIA die Fäden zog – BAHNBRECHEND! Zwar geistert dieser Blödsinn bereits seit einiger Zeit durch die Medien (nicht neu, aber nicht minder idiotisch und spätestens seit dem der CIA nachgesagten Mord an Kennedy immer wiederkehrend). Zunächst auf den führenden Sendern, dann auf den dritt- und viertklassigen – bis es über die nachmittäglichen Talk-Shows zu den bildungsferneren  Schichten (die für Verschwörungstheorien besonders empfänglich sind) durchdrang. Genau wo es eben unser lieber „Singer-Songwriter“ aufschnappte.

Xavier hat dem Begriff des „Politischen Songs“ zur neuen Blüte verholfen! Das Rezept aber ist denkbar simpel. Zunächst ein wenig vom bereits obligatorisch gewordenen Gutmensch-Toleranzgetue – für ein friedliches Miteinander. Beigegeben wird die geheuchelt-kapitalismusfeindliche Laberei (hat immer Konjunktur). Massentaugliche und immerziehende banale Inhalte (die lediglich vielleicht noch in einem Sarah-Connor-„Song“ zu erwarten wären) werden mit sinnfreiem Rumgesinge aus der Rubrik „Sonderschulgereimtes“ aufgewertet – fertig ist der klassische Nachdenk-Song für Unterbelichtete. Und wir dachten, dass wir spätestens nach „Stadt“ von Cassandra Steen und Adel Tawil, deren Songtext so unterirdisch dümmlich war, dass das Dschungelcamp in Vergleich dazu wie Hochgebildeten-Unterhaltung wirkt, davon vorerst erlöst wären.

Unser geliebter Xavier stimmt ein klassisches „Weltverbesserungsständchen“ für Professionell-Hirnlose an. „Pseudo-Tiefgründigkeits-Trällerei“ mit dem perfidesten Tränendrück-Faktor und wir sollen – was? Affirmativ nicken – nein danke!

Ich plädiere für eine Dämliche-Lieder-Emissions-Bäschränkung für Xavier Naidoo, denn dieser Unfug kann zwar keine Polarkappen schmelzen, dafür aber die Hirnaktivität einer ganzen Generation von schutzlosen Jugendlichen unwiderruflich senken.

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3 Kommentare leave one →
  1. 2. Dezember 2009 15:44

    Man muss das alles positiv betrachten: Eventuell ist diese Art von Bodensatzlyrik die einzige Möglichkeiten den Kevins, Justins, Chantals und Schakkelines dieser Welt einen größeren Wortschatz zu vermitteln.

    • 22. Dezember 2009 11:48

      Mensch, Thomas, gut, dass Du nicht Kevin oder Justin heißt… Natürlich geht einem der Stumpfsinn in Tüten auf den Keks, aber muss man sich, um darüber öffentlich den Kopf zu schütteln, erst einmal auf’s viel zu hohe Ross setzen?

      • 7. Januar 2010 15:05

        @mondoprinte

        klang sicherlich etwas abgehoben, ich hab auch nichts gegen Menschen die von ihren Eltern einen klischeebehafteten Namen bekommen haben. Sollte sich da jemand auf die Füsse getreten fühlen, entschuldige ich mich natürlich.

        Trotzdem treten Namen wie Justin & Co. häufig in sozial schwachen und zum Teil bildungsfernen Milleus auf, daher habe ich sie für meinen Kommentar verwendet. Leider geht der Trend auch immer mehr zu Mehrfachnamen Brian Marvin Justin (http://ohrenporno.net/2009/12/16/vornamen-der-overkill/) ist nur ein Beispiel dafür – armes Kind.

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