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Survival trotz Geländewagen

17. November 2009

Wenn man eine Zeit lang im Straßenverkehr einer Großstadt unterwegs ist, wird einem sicherlich schnell ein besonderes Phänomen auffallen: der Geländewagen. Manchmal kann man weibliche Fahrer, deren Gesichtsausdruck zwischen „Selbstmordkommando“ und völliger Apathie schwankt, hinter dem Steuer ausmachen. Doch die meiste Zeit sieht man niemanden auf dem Fahrersitz, denn die hilflose Hausfrau respektive Strohwitwe, da der geschäftige Geschäftegatte in Übersee, verschwindet hinter dem Lenkrad.

Was habe ich denn daran auszusetzen?

Vielen würde beim Thema „Geländewagen“ die angebliche Gefahr für das Klima einfallen. CO2 und so. Geländewagen könnte man doch auch mal mit einem lustigen Aufkleber wie “Ich kann 10 t Packeis schmelzen” oder „Meine Abgase sorgen dafür, dass Du es warm hast!“ aus der Fabrik rollen lassen. Und dieser Effekt könnte die nächsten Jahre gar nicht unwichtig sein. Das öffentlich-rechtliche Klimagewissen Prof. Dr. Mojib Latif verkündete neulich erst, dass es doch erstmal kühler wird. Was natürlich nichts an der Klimakatastrophe ändert, wir wollen ja nicht relativieren. Nein, in erster Linie geht es mir um meine persönliche Sicherheit, Geländewagen sind erstmal Verkehrsbehinderer. Den meisten Fahrern bzw. Fahrerinnen fällt es schwer, das Auto zu bedienen. Die Maße des Geländewagen werden so eingeschätzt, dass einem LKW gleich an jeder Abbiegung nicht nur ab- sondern auch ausgebogen werden muss oder Hindernisse mit drei Metern Seitenabstand umfahren werden müssen. Natürlich mit einer Hand auf dem Lenkrad oben liegend und der anderen Hand am Handy. Ich als Straßenverkehrsteilnehmer werde nicht nur physisch bedroht, sondern auch psychisch belastet, sprich: Ich werde zur Weißglut getrieben durch die Rücksichtslosen. Die Rücksichtslosen, die auch noch ein ziemlich großes Geschoss als Waffe zu bieten haben. Man darf nicht die wuchtigen Kuhfänger vergessen, die völlig unsinnig sind und eher zu Menschenfängern mutieren, und Passanten an den vitalen Punkten wie Oberkörper oder Kopf treffen. Selbstverständlich verstehe ich den Wert des Geländewagens als Statussymbol. Vielleicht kann er auch zur Bewältigung von Minderwertigkeitskomplexen beitragen, sitzt man (und steht gedanklich) höher als die „Anderen“. Der Geländewagen kann also legitimes Therapiemittel sein und Psychotherapeut wie Krankenkasse entlasten.

Wie umgeht man den Quatsch mit dem Geländewagen, der nicht im Gelände, sondern in den Straßen der Großstadt unterwegs ist? Die Forderung “Frauen weg vom Lenkrad, zurück zur Kochplatte” verspricht aufgrund der Risikogruppe des Geländewagens (Desorientierte Hausfrau mit reichem Ehegatten) Erfolg. Aber so eine Forderung könnte mancher als diskriminierend empfinden.

Oder wie wäre es endlich mal mit einem Führerschein, der auch Beweis ist, dass der Inhaber ein Fahrzeug führen kann? Bis auf weiteres, bewältige ich meine Frustration und meine Todesängste im Straßenverkehr mit Hupen. Das hat einen gewissen kathartischen  Effekt.

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